Dort sitzt er an der Ecke. Auf dem Bordstein. Wartet.
Der Korb vor ihm leer. Niemand beachtet ihn.
Er wartet.
Ein Auto fährt vorbei. Das Wasser über seine zerrissenen Klamotten.
Er friert. Er legt sich auf ein Stück Pappe. Der Wind wird trocknen.
Er wartet.
Er ist krank. Atmet schwer. Kein Geld für Medikamente. Ein Arztbesuch nicht möglich.
Ohne Papiere. Er ist ein niemand.
Die Brücke bietet Schutz vor Wind und Regen. Eine Mülltonne birgt Essen. Reste, die selbst die Ratten verneinen. Es reicht ihm. Er beißt. Er trinkt einen Schluck Wasser. Er träumt.
Er wartet.
Die Sonne ist warm. Der Husten hat sich gelegt. Er geht spazieren. Sitzt auf der Parkbank.
Der Korb vor ihm wieder leer. Eine halbe Flasche Bier. Getrunken.
Geschnitten. Mit Wasser verwischt. War nicht tief.
Der Abend grau. In den Häusern Musik. Lachen. Autos schnellen vorbei.
Er wartet.
Morgen.
Morgen.
Der Krankenwagen fährt weg. Nichts zu machen. Tot. Lungenentzündung. Blutvergiftung. Viren und Bakterien.
Leiche.
Begraben irgendwo. Nirgendwo. Unbekannt. Ein Niemand.
Wer war er? Er war der, der nie war. Unbekannt. Unbemerkt.
Wo war er? Er war hier und da. Überall. Unter der Brücke.
Wann war er? Heute. Vor langer Zeit. Morgen.
Haben wir ihn gekannt? Hätten wir ihn erkannt?
Bild: © Ethan Lofton